
Der Zeisigwald ist das wichtigste Naherholungsgebiet für die Chemnitzer und deren Gäste. Eng verwoben mit der Stadtgeschichte nutzen ihn Ausflügler aus der Region noch heute als Ort der Ruhe und Entspannung.
Seinen Namen verdankt er den quirligen, grüngelben Gesellen, die früher oft auf den Ästen im Wald sangen. Die Vögel waren im 19 Jhd. auch ein begehrter Stubenvogel.
Der Wald wandelte sich und wurde früher - je nach Eigentümer u. Nutzung - auch als "Rathswald", "Churfürstlicher Zeisigwald", "Königsforst" oder schlicht als "Bürgerwald" bezeichnet. In ihm soll sich einer Sage nach noch einen Goldschatz aus der Zeit des 'Hussitenkrieges' (1446-1451) verbergen.
Seit dem 15. Jhd. wurde auch das wertvolle Quellwasser aus dem Wald über hölzerne Röhren in die Stadt geleitet; Trinkwasser war bereits damals ein knappes Gut im Stadtgebiet. *1
Im 16. Jhd. begann die intensive Nutzung der Steinbrüche und Holzbewirtschaftung im Wald. Viele Häuser in Chemnitz und Region wuchsen aus den Steinen und Hölzern des Zeisigwaldes.
Ab 1870 wurde der Wald zunehmend als Naherholungsgebiet für die rasch wachsende Bevölkerung in der Region Chemnitz bedeutungsvoll. Im Mittelpunkt der 420 m hohen Beuthenberg, der sich auch zu einem kleinen Kulturzentrum für Andachten, Sport-, Musik- u. Theaterveranstaltungen entwickelte.
Veranstalter und später auch Eigentümer dieser Region im Zeisigwald war damals der 'Chemnitzer Erzgebirgsverein'. Für die Festlichkeiten wurde eine Schänke errichtet, die 1911 von der Stadt erworben wurde - die 'Zeisigwaldschänke' (damals zeitweilig auch 'Wildschänke' genannt).
Die Besucher konnten über die mit Gaslaternen ausgeleuchtete Forststraße zur Schänke gelangen, anfangs mit Pferdedroschken, später mit Automobilien oder einfach zu Fuß.
Dem Wachstum der Stadt Chemnitz war die Nachfrage nach Bauland geschuldet, wodurch ab 1900 immer wieder Waldflächen für infrastrukturelle Baumaßnahmen herangezogen wurden - eine Klinik u. Militär-Lazarett, ein Straßenbahnhof, ein Wasserhochbehälter, ein Waisenhaus, div. Spielplatz- u. Kleingartenanlagen usw..
Überregional bekannt blieb der Zeisigwald für sein geschichtliches Zeugnis: Durch den Ausbruch des 'Zeisigwald-Vulkans' vor rd. 280 Mio. Jahren - ja, Sie haben richtig gelesen, unter dem Wald liegt ein Vulkan - entstand der 'Versteinerten Wald'. Die letzte Glutwolken-Eruption des Vulkans leitete den Prozess ein, durch welchen die Bäume zu Stein wurden. Sie steinernden Zeugen sind heute im Stadtmuseum Chemnitz ausgestellt.
Für die Paläontologie waren die mehrphasige Ausbrüche wichtig, liefern die Ablagerungen im dortigen Boden - gut zu sehen im Tuff des Findewirtschen Steinbruchs - noch heute ein beeindruckendes Zeugnis vergangener Lebensräume sowie der damaligen Pflanzen- und Tierwelt.
